Neue Karten und ein Bericht aus Martinique

02.02.2017 / Olaf Gaedke NV Verlag / nv charts

Bei uns in Eckernförde arbeiten wir mit voller Kraft an den neuen Seekarten für 2017 und freuen uns schon auf die kommende Saison.
Währenddessen sind Benjamin und Steffi mit Ihrer SY LadySunshine von Barbados nach Martinique gereist. Das Schiff wird von uns mit Karten unterstützt und nimmt Kinder aus schwierigen Lebenssituationen mit auf eine unvergessliche Reise. Die junge Familie nutzt die Elternzeit für das Abenteuer unter Segeln und hat uns einen spannenden Bericht zukommen lassen, den wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

Ich sitze spät nachts auf dem Deck und lausche den Klängen von karibischer Salsa, die von Land her auf mich zu wehen. Es ist stockfinstere Nacht und lau warm. An einen Pulli oder ähnlich Langärmliges habe ich schon seit Wochen nicht mehr gedacht. In Deutschland ist es gerade -10 Grad und Blitzeis. Unvorstellbar. An der Reeling hängt noch unsere frisch gewaschene Wäsche und schaukelt leicht im Wind. Um uns herum ist ein Lichtermeer – Ankerlichter soweit das Auge reicht. Schätzungsweise mehrere hundert Boote liegen mit uns in der Bucht von Le Marin in Martinique. Dicht an dicht liegen wir hier mit den unterschiedlichsten Booten, meist unter französischer Flagge. Trotzdem fühlen wir uns hier etwas einsam, fehlen uns doch merklich unsere Seglerfreunde, die noch auf der anderen Seite des Atlantiks weilen.

Die Fahrt nach Martinique ging über Nacht und dauerte etwa 24h. Die Seestrecke war ungewohnt für die Kinder und mich. Wir waren so gar nicht eingeschaukelt. So erwischte Javik und mich die Seekrankheit wieder einmal und wir dämmerten die Überfahrt in der schaukeligen Koje vor uns hin. Es war die erste Nachtfahrt für mich bei tropischen Temperaturen. Selbst auf See und bei 20 Knoten Wind ist es hier in kurzer Hose noch angenehm an Deck.

Martinique klang für uns sehr exotisch, nun sind wir hier. Durch die Zugehörigkeit zur EU ist der Start für uns hier sehr einfach. Wir genießen nach dem britischen „Gourmetessen“ in Barbados, die frischen Croissants zum Frühstück und das überall erhältliche Baguette mit Brie und Wein. Die Preise sind sogar fast erschwinglich.

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Unser Alltag zurzeit ist zweigeteilt: Vormittags stehen Bootsarbeiten an, nachmittags das Freizeitprogramm. Die letzten Tage haben wir angefangen, klar Schiff zu machen. Die letzten dicken Klamotten wurden einvakuumiert und in die Vorschiffskabine verstaut. Die Solarzellen wurden neu ausgerichtet, um mehr Strom zu generieren. Einen Hafen werden wir in absehbarer Zeit wohl nicht anlaufen, unsere Batterien müssen also durch Wind und Solar geladen werden. Dingi fahren wird für uns hier zum Alltag: es fährt uns zum Strand, in die nächstgelegene Stadt, zum Einkaufen, an Riffs zum Schnorcheln, es wird genutzt zum Angeln – leider noch mit wenig Erfolg oder um den Müll an Land zu bringen. Der Nachmittag ist Familien- und Badezeit. Die Temperatur von 30 Grad und fast ebenso warmem Wasser lädt zum Schwimmen und Schnorcheln ein. Selbst Javik steckt mittlerweile seinen Kopf lieber unters Wasser und schaut sich seine Füße oder vorbei schwimmende Fische an. Seine obligatorische Frage beim Auftauchen ist stets: „Kann man die essen?“

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In Gedanken hängen wir noch der Zeit in Barbados nach. Zu gut hat es uns dort gefallen. Der Ankerplatz war zwar teilweise etwas rollig, doch ein solch türkisgrünes Wasser haben wir bislang in Martinique noch nicht gefunden. Morgens begrüßten uns die Schildkröten, wenn wir aus der Koje schauten und zum Frühstück besuchten uns die Rennpferde, die als Trainingsprogramm einmal um unser Boot herum schwammen. Ein Yachtclub am Strand versorgte uns mit gut funktionierendem Internet, sauberes Trinkwasser, mit täglich frischer Dusche und die Securites bewachten sogar 24h unser Dinghi am Strand. Fasziniert hat mich auf Barbados vor allem die Unterwasserwelt. In einem Marinepark mitten im Ankerfeld lagen Wracks, die unzählige Fische beherbergten und uns mit riesigen bildhübschen Schildkröten schwimmen ließen.

Ein Erlebnis auf Barbados war für uns das Busfahren. Mit kleinen Minivans fahren die Einwohner ziemlich rasant und mit sehr basslastigen lauten karibischen Sounds über ihre Insel. Eine Busfahrt kostet umgerechnet 1 Euro. Lange Wartezeiten gibt es hier nur zur Rushhour. Mindestens jede zweite Minute fährt ein Van mit offener Tür vor den Bus Stop und stapelt die Passagiere auch gerne aufeinander. Tür zu, weiter geht’s. Für uns geht’s bislang noch nicht so schnell weiter. Wir haben unser Tempo gedrosselt und bleiben zunächst auf Martinique, erkunden nach und nach die Insel und genießen die lauwarmen karibischen Nächte.

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Text und Bilder von der Crew der SY LadySunshine